Die Montessori-Schule wird komplett neu gebaut werden müssen. Nicht nur hier müssen die Kinder mit Provisorien leben.

„Das ist ein Beispiel von totaler Planlosigkeit“, schimpft die Mutter einer Schülerin der altehrwürdigen Montessori-Grundschule in der Gilbachstraße. „Unzumutbar“ seien die Umstände, „ein Skandal“ findet ein Vater. Monatelang wurden in der Schule Kinder in Räumen betreut, die nicht den Brandschutzvorschriften entsprachen. Nach mehreren Besichtigungen der Feuerwehr wurden die Räume nun geschlossen.

60 Kinder, die in der Montessori-Schule das Angebot der Offenen Ganztagsschule (OGTS) nutzten, werden nun mit Bussen aus der Innenstadt nach Ehrenfeld gefahren, wo sie in Containerzimmern der Schule Everhardstraße betreut werden. „Das hatten wir uns anders vorgestellt“, ärgert sich die Mutter. Schon die Räume, die die Kinder aufgeben mussten - ein Kellerraum und die ehemalige Hausmeisterwohnung - empfanden die meisten Eltern als wenig geeignet für eine anspruchsvolle Betreuung ihrer Kinder. Die Schule hat trotzdem eine Verdreifachung des Offenen Ganztagsschulangebots beantragt. „Da werden auf Teufel komm raus, Plätze geschaffen, um mit anderen Schulen konkurrenzfähig zu bleiben“, kritisiert ein Vater. „Und das, obwohl man dafür weder die Räume noch professionelle Strukturen hat.“

Die Schule weist die Kritik zurück. Man habe die Plätze beantragen müssen, weil der Bedarf nach Ganztagsbetreuung so groß sei. Die Stadt hätte die Anmietung von externen Räumen in Aussicht gestellt, sagt Schulleiter Johannes Elsner. Gefunden wurden diese Räume im Umfeld der Schule bislang nicht. Leidtragende sind die Kinder.

Das Schulverwaltungsamt will im Sommer Container am Venloer Wall aufstellen, damit der Bustransfer aufhören kann und tatsächlich die erwarteten 150 Kinder betreut werden können. „Das ist ein Provisorium“, sagt Amtsleiter Werner Adams. „Wir brauchen einen Neubau für die ganze Schule. Sanierungsmaßnahmen in dem alten Haus bringen keinen Mehrwert.“ Adams will die Montessori-Schule am Venloer Wall gemeinsam mit dem dort ansässigen Kindergarten komplett neu bauen lassen. Es gibt gewichtige Gegenstimmen: Für den Neubau müsste ein Stück Grüngürtel geopfert werden.

Die Montessori-Schule sei die „härteste Nuss“ auf dem schwierigen Weg, das Betreuungsangebot für Kölner Grundschüler massiv auszubauen. Bis zum Sommer sollen 17 400 Plätze in der Offenen Ganztagsschule angeboten werden können. Rechnet man die verbleibenden Plätze der Horte in sozialen Brennpunkten und in altersgemischten Gruppen in den Kindertagesstätten dazu, erreicht Köln bei den Grundschülern eine Betreuungsquote von 58 Prozent - „eine Spitzenposition unter den deutschen Großstädten“, so Adams. Angesichts der Herkulesaufgabe „knirscht es natürlich an einigen Ecken“. In einigen Schulen müssen wie in der Gilbachstraße Provisorien helfen, bis größere Baumaßnahmen abgeschlossen sein werden. So soll zum Beispiel in der Balthasarstraße ein neues Stockwerk auf die Schule gebaut werden. In der Riehler Gathestraße werden neue Räume auf eine ebenfalls neu zu bauende Turnhalle gesetzt.

– Quelle: http://www.ksta.de/13381018 ©2016

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