An die
Fraktionen im Rat der Stadt Köln
Rathausplatz 1
50667 Köln

Betr.: Rat Beschlussvorlage 1444/2016 vom 27.01.2017

Sehr geehrte Damen und Herren,

hiermit würden wir uns gerne mit einem Anliegen an Sie und Ihre Fraktion wenden. Bei der Debatte zum Schulneubau an der Friedrich-Karl-Str. (AK 1444/2016) im Ausschussfür Schule und Weiterbildung am 30.01.2017 konnte man vernehmen, in wie weit sich die Fraktionen zu dem geplanten Schulneubau an der Friedrich-Karl-Str. positioniert haben. Trotz der Kritik von Seiten aller Fraktionen soll nun der allgemein festgestellte Baunotstand dazu führen, dass der geplante Schulneubau an der Friedrich-Karl-Straße nicht mehr umgeplant wird. Das, obwohl die vorliegende Planung offensichtlich seit langem nicht den allgemein anerkannten Konzepten für einen zukunftstauglichen Schulneubau entspricht und das eben auch ohne einen vielleicht noch speziellen Anspruch an ein Montessori- Schulgebäude.

Dezernentin Frau Dr. Klein sicherte so auch gleich zu, dass die folgenden drei Schulneubauten mehr in Richtung „ClusterSchule“ geplant würden. Nun ist es aber schon ein unglücklicher und trauriger Umstand, dass ausgerechnet einer Montessori-Schule ein dringend benötigter und wünschenswerter Neubau angeboten wird, der nun objektiv nicht den seit langem gewonnenen Erkenntnissen für einen zukunftstauglichen Schulneubau entspricht. Die Ignoranz um das Wissen, welches nicht zuletzt auch durch die Praxis von reformpädagogischen Schulen, wie die Montessori Schulen seit Jahrzehnten erworben wurde, ist schwer verständlich und auszuhalten.

 

Das Architekturmodell der „ClusterSchule“ was der Umsetzung der Montessori Pädagogik schon eher entgegen kommen würde, ist auch nicht erst seit gestern bekannt. Anderswo werden seit Jahren Schulneubauten so geplant, auch in Köln. Bei der Bildungslandschaft Nord z.B. findet das Modell seine architektonische Anwendung. Und nicht zuletzt: auch die nun angestrebte modulare Fertigbauweise widerspricht der Umsetzung dieses Architekturmodells nicht.

Die Erfordernisse für einen adäquaten Schulneubau werden von den Verantwortlichen anscheinend erst wahrgenommen, wenn diese von z.B. der „Montag Stiftung“ formuliert werden. Warum wird das Wissen, was z.B. aus der Schulpraxis in der Montessori Schule Gilbachstr. / Stammheimer Str. seit Jahrzehnten existiert, bei der Schulverwaltung und der Gebäudewirtschaft nicht höher geschätzt? Sicher stellt die Montessori Pädagogik keine eigene Schulform dar, für die die Schulverwaltung verpflichtet werden könnte, besondere Schulgebäude bereitstellen. Aber eben das Wissen um die Dinge die Lernen befördern, sind doch nach Jahrzehnten mittlerweile allgemein geschätztes und anerkanntes Wissensgut geworden.

Aufgabe der Politik muss es auch sein, von der Verwaltung ein zukunftsorientiertes Handeln einzufordern. Warum sind in diesem Fall die Zuständigen nicht schon bei Anfang der Planung Ende 2014 dazu fähig gewesen, entsprechende Planungen in Auftrag zu geben? Warum existiert wohl der nun festgestellte Baunotstand? Es scheint, weil die Verwaltung zu langsam darin ist zu erkennen, was notwendiges Handeln erfordert.

Wir bitte Sie hiermit nachdrücklich, noch einmal die Entscheidung zu dem Schulneubau mit den vorhanden Bauplänen an der Friedrich-Karl-Str. zu überdenken und die Planung der Verwaltung mehr und vor allen Dingen auch schon früher mit Sachverstand zu hinterfragen. Die Konsequenz eines konstatieren Baunotstandes kann nicht sein, dass heute noch Schulneubauten realisiert werden, wo schon im Vorhinein wissenschaftlich nachweisbar ist, dass auf Jahrzehnte Schüler in ihrem Bedürfnis nach selbständigen Lernen durch die Architektur behindert werden. Viel mehr sollte die Politik schnellstens die Voraussetzungen schaffen, dass Schulverwaltung und Gebäudewirtschaft kompetent und zügig aber vor allen Dingen den anerkannten Bedürfnissen entsprechend planen und bauen können.

Mit entsprechender Konzentration ist sicher auch eine Umplanung an der Friedrich-Karl- Str. in absehbarer Zeit noch möglich, obwohl in der Tat schon viel zu viel Zeit vertan wurde. Besser ist es sicher den Neubau ein Jahr später fertigzustellen, als über Jahrzehnte Schüler in nicht mehr zeitgemäße Korsette zu zwängen. Ja, es ist bitter, aber es nützt nichts. Stellen Sie sich vor, es würde sich um Ihr neu zu bauendes Haus handeln, in dem Sie ihre wertvollste Zeit verbringen. Da würden Sie sicher auch äußersten Wert drauf legen, dass zukunftsorientiert und nicht offensichtlich nicht mehr zeitgemäß geplant wird. Als Mandatsträger tragen Sie die Verantwortung dafür, dass dies auch für die öffentlichen Gebäude in diese Stadt so geschieht.

Mit freundlichen Grüßen von den ehemalige Schülern und von nun Eltern von Kinder der Montessori-Schule Gilbachstr.

Köln, 04.02.2017

Christopher Burger                   Stefan Vollmer
 (Filmemacher)                           (Architekt)

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