Es steht offenbar Spitz auf Knopf im Kölner Hort für Grundschüler an der Spichernstraße. „Wir kämpfen ums Überleben, uns geht das Geld aus“, sagt Eltern-Sprecher Christian Klimek. Für das laufende Jahr müssen die Eltern etwa 150 000 Euro aufbringen. Davon werden Miete und Sachkosten bezahlt, außerdem eine Köchin und zwei Betreuer, die sich um die 27 Kinder kümmern. „Ein einziger Wasserschaden würde uns das Genick brechen“, so Klimek. Müsste die Einrichtung schließen, wäre das auch das Aus für den letzten Kölner Kinderhort.

 

Zu wenig Betreuungsplätze

Damit es nicht so weit kommt, klagen die Eltern nun gegen die Stadt vor dem Kölner Verwaltungsgericht. Im Kern fordern sie, dass sie von der Kommune mit einem sechsstelligen Betrag pro Jahr unterstützt werden und auch rückwirkend für ein Jahr Geld erhalten. Den Förderanspruch leiten sie im Wesentlichen aus dem Sozialgesetzbuch ab, der eine Unterstützung der freien Träger vorsehe, heißt es in der Klageschrift, die dem „Kölner Stadt-Anzeiger“ vorliegt. Die Unterstützung der Stadt sei auch notwendig, weil es schlicht zu wenige Betreuungsplätze für Grundschulkinder gebe. Setzen sich die Eltern durch, wäre das möglicherweise ein Präzedenzfall, auf den sich anderen Initiativen berufen könnten. Der Rechtsstreit hat viel mit der Umstellung im Betreuungssystem zu tun, den die Stadt vor einigen Jahren vorgenommen hat. Der Rat beschloss 2006, die 7500 Hort-Plätze nach und nach zugunsten der Betreuung im Rahmen des offenen Ganztagsschulen (OGS) abzubauen. Mit dem Systemwechsel sollten mehr Betreuungsplätze für Mädchen und Jungen geschaffen werden – was auch gelang. Heute gibt es 26500 Plätze im offenen Ganztag, drei Viertel aller Kinder haben einen OGS-Platz sicher.

Die Stadt kann die Forderungen der Eltern der Spichernstraße nicht nachvollziehen. Im Jugendamt verweist man darauf, dass nach der Umstellung auf das Ganztagsschul-Angebot Horte als Betreuungseinrichtungen gar nicht mehr vorgesehen seien. Um sie zu unterstützen, müssten finanzielle Mittel im klammen Haushalt freigemacht werden, die an anderer Stelle fehlten. „Wir haben im Haushalt nichts übrig“, sagt Amtsleiterin Carolin Krause. Konkretere Angabe wollte die Behörde nicht machen, weil es sich bei dem Fall um ein laufendes Verfahren vor Gericht handele. Freilich könnten die Hort-Kinder auch in anderen offenen Ganztagsangeboten untergebracht werden. Auf diese Möglichkeit würden die Eltern aber nur ungern zurückkommen. Denn der Hort biete gut ausgestattete, kleine Betreuungsgruppen mit ausgebildeten Erziehern. „Diese Qualität haben nicht alle Ganztagsangebote“, sagt Elternsprecher Christian Döring. Ohnehin seien die Betreuungsplätze – trotz einer städtischen Betreuungsquote von 75 Prozent – in der Nachbarschaft rar. So verfüge die nahe gelegene Montessori-Schule Gilbachstraße, an der 240 Kinder lernen, über nur 170 offene Ganztagsplätze.

Mit den Schauspielern Fug und Janina aus der WDR-Kindersendung „Wissen macht Ah!“ haben die Eltern nun ein Video gedreht, in dem sie ihre Sicht auf den Konflikt darstellen. Der Film „Mit Fug und Recht – Ein gallischer Hort in Köln“ ist im Stil der „Sendung mit der Maus“ gedreht und kann auf Youtube angeklickt werden.

– Quelle: http://www.ksta.de/991052 ©2016

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